Abenteuer, Airsoft, neue Drogen und ausgeschlagener Sex am dritten Abend? Dass ich einen erlebnisreichen Start in Bangkok hatte, ist wohl milde ausgedrückt. Lass mich ein wenig ausholen:
Vom Flughafen aus bin ich mit dem Zug in Richtung Innenstadt gefahren und bin einfach an irgendeiner Haltestelle ausgestiegen. Wohlgemerkt, bevor ich mein schweres Gepäck im Hostel abgeben konnte. Und so habe ich den ersten Tag auf eigene Faust abseits der Touristenattraktionen den Alltag Bangkoks erlebt. Als einziges Ziel für dieses Abenteuer habe ich mir die Aufgabe gestellt, einen Park zu finden und den ersten Tagebucheintrag zu schreiben. Der verrückte Verkehr und das anderssprachige ÖV-System haben die Navigation schwierig gemacht. Am heftigsten waren aber die Gerüche. Sei es ein stinkender Kanal mit Müll, der Verkehr, einer der unzähligen Essensstände oder sonst etwas undefinierbarem. Als ich am ersten Abend im Hostel noch einen geraucht habe, habe ich zur Sicherheit die anderen Gäste gefragt, ob sie der Geruch stören würde. Der anwesende und äusserst freundliche Tamil hatte nichts dagegen auszusetzen, ganz im Gegenteil, so verbrachte ich einen fantastischen Abend in guter Gesellschaft, bis ich mich ins Bett begab. Am nächsten Tag habe ich zur Abwechslung typische Touristenattraktionen wie das Sea Life und das Bangkok Art and Culture Center besucht. An diesem Abend hat mich der freundliche Tamil der übrigens Lehrer war, in sein Zimmer eingeladen, um zusammen mit ihm Drogen zu nehmen.
So bin ich zum ersten Mal in den Genuss von Ketamin gekommen, welches ich stilecht mit einem Schweizer Zehner durch die Nase gezogen habe. Während dieses Abends habe ich auch einen thailändischen Kollegen kennengelernt, der nicht allzu weit weg eine eigene Wohnung hatte. Dieser hat mich für den nächsten Abend zu sich eingeladen. Als wichtiges Detail sollte ich noch erwähnen, dass wir während diesem Abend über das Leben, Drogen und vieles weitere geredet haben und so habe ich ihm auch ohne Hintergedanken von meinem erfolglosen Sexleben erzählt.Das hat dazu geführt, dass ich wohl positiv überrascht werden sollte. Eigentlich war lediglich geplant, an diesem Abend zusammen Magic Mushrooms zu nehmen und eine gute Zeit zu haben. Doch die Freundin des thailändischen Kollegen, welcher mich eingeladen hatte, hatte andere Pläne. Die beiden wohnten in einer gated Community und so musste ich mich durch den grossen Gebäudekomplex bis hin zu seiner Wohnung und den wohl 24. Stock durchkämpfen.
Die Wohnung war gemütlich und gar nicht so klein, wie ich erwartet habe. Dort angekommen merke ich, dass Sam, so heißt die Freundin, horny af auf mich war. Ich war verwirrt und bin im ersten Moment nicht darauf eingegangen. Einige Zeit später mit gutem Essen im Bauch haben wir uns an die Zubereitung der Pilze gemacht. Die Einnahme mit Zitronensaft hat dem ganzen die Bitterkeit genommen. Mengenmässig war die Portion aber viel zu gross. 3g wobei ich erst wenig Erfahrungen damit hatte, haben mich zunächst anders abgeschossen. Als ich aber richtig in den Trip reinkam, wurde ich aber auch offener und so habe ich mit den beiden wieder über Gott und die Welt geredet. Sam wurde dabei auch immer wieder touchy und daraufhin habe ich die beiden gefragt, was das sollte. Es stellte sich heraus, dass die Erzählung meines erfolglosen Sexlebens die beiden wohl inspirierte, mir mal etwas anderes zu zeigen. An diesem Abend war ich aber nicht mehr so spontan down dafür. Die beiden konnten es aber nicht lassen und sind so zeitweise auch zu zweit ins Bett verschwunden. Mein letzter Sex war mein erstes mal mit 17 und lag somit schon über fünf Jahre zurück. Dementsprechend hatte sich rund um das Thema einige Hemmungen und irrationale Ängste aufgebaut, deren Heilung ich an diesem Abend immerhin ein kleines bisschen näher gekommen bin. So habe ich meinen ersten Blowjob erhalten und zum ersten Mal eine Frau mit meinen Händen zum kommen gebracht. Als ich nach Feedback fragte, riet sie mir, noch mehr auf die Signale der Frau zu achten und einzugehen. Zudem habe ich ihr, glaube ich, auf Deutsch vorgelesen, während sie es sich selbst gemacht hat, was auch zum Höhepunkt geführt hat.
Ich hatte verschiedene lokale Airsoft Teams angeschrieben und wurde so einige Tage später eingeladen. Zwei separate Spieltage konnte ich erleben, als Reisender hatte ich meine Ausrüstung natürlich nicht bei mir und so wurde ich von den lokalen Spielern vollständig ausgestattet. Sogar noch mit Goodies und Patchen, welche ich mit nach Hause nehmen durfte. Ich wurde überaus freundlich aufgenommen und nach dem Spiel sind wir alle zusammen zu einem ihrer Lieblingsrestaurants gefahren, wo sie mich zum Essen eingeladen haben. So habe ich im direkten Austausch mit der lokalen Bevölkerung das Thai Essen lieben gelernt, wo ich Anfangs noch sehr viel Angst vor hatte. Da leider auch Essen ein emotional aufgeladenes Thema bei mir ist, bin ich froh dadurch meinen kulinarischen Horizont erweitern zu können.
Weitere Abenteuer enthielten den Besuch einer Rooftop 420 bar, lokale Märkte, die Jagd nach Kunst und Fotomotiven und viele Tempel sowie Architektur.
Mit dem Nachtzug ging es weiter in den Norden des Landes nach Chiang Mai, die zweitgrösste Stadt des Landes, deren Kontrast mit Bangkok wohl kaum grösser sein könnte.
Der Nachteil an einer guten Abfahrtszeit des Nachtzugs war eine beschissene Ankunftszeit in Chiang Mail. Fünf oder sechs Uhr in der Früh angekommen, bin ich mit meinem Gepäck in Richtung Altstadt. Das hat mir aber wieder die Gelegenheit gegeben, die Stadt so zu erleben, wie es nicht jeder gewöhnliche Tourist tut. So habe ich die verwinkelten Strässchen erkundet, die so typisch für CM sind. Das Ziel, der Park, war an dem anderen Ende der Altstadt und während ich mich, wieder mal mit schwerem Gepäck, auf Foto-Entdeckungstour gemacht.
Zu Chiang Mai gibt es folgenden Kontext: Es ist der Ausgangspunkt, um nach Pai zu kommen und dadurch bin ich immer wieder hier durchgekommen. Das Hostel “the cabin” war ein fantastischer Ort mit wundervollen Menschen. Hier hat Anong gearbeitet, ebenfalls Anfang 20 und Thailänderin. Mit ihr und einem Belgier bin ich in eine Street Art Kunstausstellung, die meine Vorlieben nachhaltig prägte. Danach sind wir noch in ein Spielecafe. In dieser Stadt habe ich nebst Kunst- auch andere Museen besucht. Anong hat mir auch die besten lokalen Restaurants und Cafes empfohlen. Sie ist eine fantastische Tänzerin und hat mich eingeladen, sie einen Abend zum Training ihrer Gruppe zu begleiten. Den ganzen Abend hat sie mich aufgefordert, doch ich war leider noch nicht selbstbewusst die Chance zu nutzen und einfach zu geniessen. Hier hat mich die Angst tatsächlich einmal von einer positiven Erfahrung abgehalten und seither achte ich darauf, mehr im Leben zu tanzen.
Ich habe auf dieser Reise gelernt, wie sehr ich Cafes liebe. Dabei trinke ich nicht mal Cafe, wenn, bestelle ich einen Smoothie oder eine Schokomilch. Wenn ich schon gerade beim Thema Essen bin. Meine Mom hat mir die Gebühr für einen Kochkurs bezahlt unter der Auflage, dass ich einmal Thailändisch für sie kochen muss. So sind wir in einer Gruppe in einem lokalen Markt die frischen Zutaten einkaufen. Unter der Anleitung ging das Kochen ziemlich gut und das Endresultat hat auch geschmeckt. Jeder hat ein Curry selber gemacht.
Generell habe ich versucht, auf dieser Reise keine Erwartungen zu haben. Als der Tamil mir jedoch am ersten Abend von Pai vor schwärmte, dass ich doch unbedingt gehen müsse, hatte sich unterbewusst wohl doch was aufgebaut.
Nach Pai kommt man nur mit dem Auto, der Weg führt eine steile, kurvige Bergstrecke hinauf, deren Ausbauqualität mal mehr und mal weniger besorgniserregend war. Was diesbezüglich viel schlimmer war, war die halsbrecherische Geschwindigkeit, mit der unser Fahrer die Strecke bewältigte. Der hat mit zwölf Leuten hinten drin noch Autos überholt. Pai war einmal ein abgelegenes Dörfchen, in dem man die lokale Kultur hautnah erleben konnte. Mittlerweile ist es ein Hotspot für Touristen aus aller Welt. Der cozy Vibe eines verschlafenen Thai Dörfchen ist trotzdem unglaublich charmant. Und so ist es kein Zufall, dass man hier haufenweise Backpacker, Yogis und andere interessante Menschen trifft. Das Dörfchen habe ich in Begleitung einer jungen Dame aus Israel erkundet, unser Hostel war rustikal, unglaublich gemütlich und ein bisschen ab vom Schuss, abends also leise. Das Zentrum des Dörfchen füllt sich am Abend mit lauter Ständen, Street-Food Verkäufern und Showeinlagen. Gemischt mit kleinen Lädchen und Restaurants. Als meine Begleitung dann auch noch Leute wieder erkannte, haben wir uns in eine Bar gesetzt. So habe ich das erste Mal in Thailand gefeiert.
Und selbst umringt von einer grossen Menschenmenge habe ich mein Tagebuch geführt, da war ich völlig schmerzfrei, ob im Dschungel, auf der holprigen Zugfahrt oder sonst wo. Nachteil daran ist, kombiniert mit meiner unleserlichen Handschrift ist das Tagebuch eigentlich ein unknackbares Rätselbuch geworden.
Die beiden anderen Tage waren entspannter, wenn man mal vom Nachtleben absieht, man kann hier jeden Tag eine neue Bar ausprobieren. Durch Ronny lernte ich einen Israeler kennen, der nicht mehr aus dem sogenannten Pai hole herausfand. Der wusste genau, wo es die besten Shrooms gab. In einer Bar unter dem Counter, einfach nach dem richtigen Fragen und im besten Fall wird es direkt für dich zubereitet. Die Einnahme als Drink ist mit Abstand die beste Methode, die ich je ausprobiert habe. Der Trip war intensiv und der folgende Schlaf kurz. Statt einfach auf meinen Körper zu hören, bin ich zurück nach Chiang Mai, weil ich alle Sehenswürdigkeiten des Ortes abgeklappert hatte. Aber das ist nicht der Sinn dieses Ortes und genau deswegen arbeite ich noch an einem weiteren Text nur über Pai.
Nach gerade einmal drei Tagen ist mir vieles von dem noch nicht klar geworden und so hatte ich zunächst einen eher negativen Eindruck von Pai. Voller Touristen und nicht viel zu sehen. Oh, wie falsch ich doch lag.
Phuket ist das Sprungbrett, um zu den sonnigen Stränden und fantastischen Buchten zu gelangen. Nach meinem überhasteten Abschied von Pai brauchte ich aber eine Weile, um wieder auf das Leben klarzukommen. Ich habe die Zeit also eher für Reflektionsarbeit genutzt, zudem kam es, dass ich während der Regenzeit zu Besuch war. Das heißt, ich konnte die Strände schon besuchen, es war auch warm, aber innerhalb von Minuten konnte ich die Wolkendecke zuziehen und ein heftiges Gewitter starten. Ich war hier nicht einmal im Wasser.
Da Phuket einen Flughafen hatte, bin ich hier vielen Menschen begegnet, die am Ende ihres Urlaubs oder Reise waren. Das hat mir wertvolle Abende voll spannender Gespräche geliefert. So haben wir zusammen Billiard auf der geschützten Dachterrasse gespielt, während draussen das Unwetter tobte.
Durch das Festhalten im Tagebuch ist es mir möglich, in dieser Nacherzählung damals aktuelle Gedanken mitzuteilen. Ich habe es speziell genossen Barfuss durch den Sand zu laufen. Das Ziel, einen Joint am Strand zu rauchen, habe ich erfüllt, durch den Windzug war die Erfahrung, abgesehen von der Aussicht aber ziemlich mässig. Als ich in Chiang Mai ankam, habe ich in Rekordzeit Hitchhikers guide through the Galaxy 2 gelesen. Für mich als jemand, der früher sehr viel gelesen hat, es aber vor der Reise für viele Jahre nicht mehr getan hat. In Phuket habe ich jedoch die erste Hälfte von Dune 1 beendet. Da in meinem Hotel ein PC mit Photoshop vorhanden war, nutze ich die Zeit auch ein bisschen für Grafikdesign, was ich so sehr liebe. Da mein Alltag hier eher ruhig aussah, nutze ich die Chance um euch ein erstes Feedback nach knapp 20 Tagen solo-travel zu zeichnen:
In Phuket habe ich besonders oft den Song Self Reminder von Fabian Römer angehört:
Thailand ist spitze. Das Eintauchen in eine derart andere Kultur, aber auch Mentalität, war erfrischend anders. In einem Monat habe ich wohl so viel über das Leben gelernt wie sonst nur über Jahre. Am meisten am Reisen mag ich ganz klar die unglaublich interessanten Personen, die ich während dieser Reise kennenlernen durfte. Auf der Welt gibt es so viele interessante Persönlichkeiten, die ich zuhause nie getroffen hätte. Der Austausch verschiedener Typen von Vorlieben erweitern meinen eigenen Horizon. Hostels waren dabei perfekt, weil man ohne Probleme in den Austausch mit Menschen aus aller Welt und aller Alterskategorien kam, ich mich aber trotzdem zurückziehen konnte, wenn meine social battery aufgebraucht war.
Ich mag es lieber, einen Ort intensiver zu erkunden als die ganze Zeit auf Achse zu sein. Thailand ist freundlich, einladend, religiös bzw. spirituell tief verwurzelt, offen, herzlich und besonders abwechslungsreich. Ich habe besonders nach den ersten zwei Wochen die Schweiz, Berge und Brot vermisst. Für die weitere Reise habe ich mir damals vorgenommen, länger mit den richtigen Leuten zusammen zu bleiben, um der Verlustangst entgegenzuwirken.